Häkelkette

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Samstag, 15. Juli 2017

Buchvorstellung: "Und jetzt lass und tanzen" von Karine Lambert


Gleich vorneweg: Dieses Buch ist ein echtes Schätzchen! Doch nun wie immer der Reihe nach. Hier kommt der Klappentext:

Beinahe wären sie einander nie begegnet: Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Ehepartner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen Marguerite und Marcel aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?

Zuerst war es das Cover, das mich bei diesem Buch angesprochen hat. Es hat so eine Leichtigkeit wie die Personen da in schwindelnder Höhe auf dem Drahtseil tanzen.... Ein Cover, das mich sehr neugierig auf den Inhalt gemacht hat.

Im Buch lernt man zuerst Marguerite kennen. Sie ist 78 Jahre alt und gerade Witwe geworden. Als junges Mädchen hatte sie ihren Mann Henri  kennengelernt und bei ihm Sicherheit gefunden. Ihre Beziehung verlief reibungslos, aber ohne allzu viel Nähe und Liebe. Henri war angesehener Notar, seriös und sehr konservativ. In Marguerites leben gab er den Ton an. Er bestimmte ihren Kleidungsstil, die Frisur und die Art der Lektüre.... Und Frederic ihr gemeinsamer Sohn ist ganz der Vater. Als Marguerite nun allein in ihrem Haus ist bekommt sie beinahe ein schlechtes Gewissen, als sie es wagt, den gewohnten Tagesablauf zu ändern, andere Bücher zu lesen und ihr Sohn ist entsetzt. Er schiebt es auf das Alter und meint, seine Mutter dürfe nicht alleine wohnen, sie wäre im Altersheim besser aufgehoben. Marguerite bespricht sich mit ihrem Hausarzt, der ihr zu einer Kur in den Bergen rät. Und obwohl ihr Sohn dagegen ist, dass sie alleine eine Reise unternimmt fährt sie los....

Dann lernt man Marcel Guedj kennen. Auch er ist Witwer und wohnt im selben Ort wie Marguerite. Aber so verschieden wie sie sind wären sie sich wohl nie über den Weg gelaufen. Marcel leidet noch immer unter dem Tod seiner Frau Nora, die er von Kindheit an geliebt hat. Die beiden sind im selben Ort in Algerien  aufgewachsen und beide Familien sind dann aus der Heimat geflohen. Als Nora wieder zurück geht bricht für ihn eine Welt zusammen  und erst als sie wieder bei ihm ist, ist sein Leben wieder lebenswert. Umso tragischer ist der Badeunfall am Meer bei dem Nora ums Leben gekommen ist. Marcels Tochter möchte, dass ihr Vater wieder mehr Lebensfreude bekommt und schenkt ihm eine Reise in die Berge.

Und dort im Kurhotel lernen sich die beiden dann kennen. Marguerite, die ihr Leben nach strengen Regeln verbracht hat, ist fasziniert von der Spontanität Marcels. Aber die beiden sind zuerst unsicher. Doch die Anziehung zwischen ihnen ist stark.  Zum Entsetzen ihres Sohnes reist sie mit ihm im Anschluss noch ein paar Tage ans Meer. Die beiden zweifeln selber. Kann es in ihrem Alter nochmal eine große Liebe geben? Die Familien sind dagegen, das ist ihnen bewusst. Ihre Beziehung schwankt zwischen Hoffnung und Mutlosigkeit.

Das Buch ist ganz wunderbar subtil geschrieben. Der Perspektivenwechsel zwischen den Personen macht es doppelt interessant zum Lesen. Man bedauert Marguerite, die nur Angepasstheit und Beherrschtheit kennt und freut sich mit ihr, wie sie langsam auftaut und kleine Schritte in eine neue Welt wagt. Man leidet mit Marcel, einem temperamentvollen Mann, der seine Frau viel zu früh verloren hat.

Das Buch ist zwar recht dünn, aber mit viel Gehalt. Es ist eine tiefgründige Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Es ist eine wunderbare Liebesgeschichte, die überhaupt nicht kitschig daher kommt.

Für mich gibt es ja immer wieder sogenannte "Highlight"-Bücher. Bücher, die sich von den vielen anderen, durchaus lesenswerten unterscheiden, weil sie etwas ganz besonderes sind. Dieses Buch gehört definitiv dazu.

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