Häkelkette

Häkelkette

Samstag, 10. Juni 2017

Buchvorstellung: "Der Ruf der Bäume" von Tracy Chevalier


Diese Woche geht es mal nicht um einen Krimi. Aber hier wie immer zuerst der Klappentext:

Amerika, Mitte des 19. Jahrhunderts: Die Goodenoughs träumen von fruchtbarem Ackerland im Westen, bleiben aber mit ihrem Planwagen kläglich im Sumpfland von Ohio stecken. Der verzweifelte Versuch, hier eine Apfelplantage anzulegen, endet tragisch. Fasziniert von Erzählungen über Bäume, die angeblich in den Himmel wachsen, zieht der jüngste Sohn Robert weiter westwärts, bis nach Kalifornien. Doch am Ziel seiner Träume wird er von seiner tragischen Familiengeschichte eingeholt.

Als ich dieses Buch zur Rezension bekam, dachte ich zuerst an einen klassischen Siedlungsroman, so mit Ankunft, Aufbau unter Schwierigkeiten, großer Liebe, Happy End.... Aber ich wurde schnell eines besseren belehrt.

In der Hoffnung auf ein besseres Leben zieht das Ehepaar Goodenough  mit seinen Kindern Mitte des 19. Jahrhunderts  nach Westen. In den Sümpfen des Black Swamp in Ohia bleiben sie buchstäblich hängen. Hier im Sumpf versuchen sie unter den härtesten Bedingungen eine Apfelplantage aufzubauen. Während James Liebe den süßen Tafeläpfeln gilt möchte Sadie am liebsten nur Mostäpfel anbauen aus deren Saft man Cider und Applejack brennen kann, einen Alkohol dem sie mehr und mehr verfällt. Jedes Jahr im Sommer wird die Familie von Stechmücken gepeinigt, die das Sumpffieber verbreiten und jedes Jahr fällt eines der Kinder dem Fieber zum Opfer. Stoisch arbeiten die restlichen Familienmitglieder weiter, um das Wenige, das sie sich bisher aufbauen konnten nicht auch noch zu verlieren. Nur alle paar Monate machen sie sich auf den Weg in die nächste Stadt um andere Farmer zu treffen und ihre Vorräte aufzufüllen. Die Liebe hat Sadie und James schon lange verlassen und immer mehr kämpfen sie verbittert gegeneinander und für ihre eigenen Ziele...Von den Kindern erfährt man dabei recht wenig. Dann kommt es zu einem tragischen Unglück.

 Der Sohn Robert flieht von der Farm nach Westen. In immer anderen Jobs hält er sich über Wasser und nach einiger Zeit zieht er auch immer wieder weiter. Dann hört er von den Riesenbäumen, den Redwoods und möchte sie selber sehen. Beim Anblick verfällt er den Riesenbäumen sofort, so wie sein Vater damals den Apfelbäumen. Er arbeitet zusammen mit einem Botaniker, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Samen und Setzlinge der Bäume zu sammeln und nach England zu transportieren.... Aber Robert kann sich Vergangenheit nicht hinter sich lassen...

Tracy Chevalier romantisiert in ihrem Roman nichts. Sie beschreibt das harte Leben der Siedler ohne Beschönigung. Man kann sich sehr gut hineinversetzen in die Charaktere die mit großen Hoffnungen aufgebrochen sind und nun eine große Ernüchterung und auch das Scheitern erleben. Zusätzlich spannend wird das Buch durch die unterschiedlichen Erzählebenen. Einige Jahre werden überbrückt durch den Briefwechsel zwischen Robert und seiner Schwester Martha.

Das Buch erzählt auf hervorragende Weise eine recht tragische Geschichte an deren Ende ein Aufbruch steht... Ich fand es sehr beeindruckend und lesenswert.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen